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Susanna Taras: Aufblühen
13. Juli bis 24. August 2003

 

Vor zehn Jahren gab Susanna Taras in der Kunsthalle Göppingen ihr Debüt: achtzehn rechteckige Bodenstücke – Tapeaux –  aus Wolle, die in ihrer herausfordernden Ornamentalität und kühnen Farbigkeit eine ästhetische Hitze sondergleichen erzeugten. Solcher Präsenz eines Werkes war nicht zu entkommen. Susanna Taras hatte damit ihrer Kunst im Wortsinne den Boden bereitet. Die floralen Motive, den irrlichternden Cross-over-Mustern zunächst nur beigemischt, begannen sich im Laufe der Jahre auszuwachsen, zu verselbständigen, sich von den Bindung an das Ornamentfeld in die Vertikalität zu befreien und in ihrer freigesetzten Eigengestalt aufs Üppigste zu vermehren: poetische autopoiesis  par excellence.

Rosenblüten, Winden, Steingewächse, Blattwerk vielerlei Art beanspruchen ihre Geltung als Form: ins Überdimensionale gesteigert und stilisiert, feiert die Morphologie der Pflanzen ihren Triumph in der Kunst: die Naturform schlägt ins Abstrakte um, Wachstum, aufgeblüht zum Moment seiner größten Schönheit perpetuiert sich in strahlenden Ikonen: ein ästhetisches Contra gegen den Tod.

Ottomar Domnick, so sagt man, habe keine Blumen in seinem Haus, seiner Sammlung, geduldet. Und überbordende Farbigkeit floh er. Ein Mann des Schwarzweiß, dem Ernst und der Strenge der Moderne verpflichtet. Aber auch des Neuen und künstlerischer Entschiedenheit. So hätte er vielleicht Susanna Taras‘ Tabubruch inmitten der wohltemperierten Ordnung seines Museums doch gut gefunden, denn er lädt das Gegebene, das schon Gesehene auf: mit Gegenwart.

Susanna Taras, geboren 1954. Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten München, Tübingen, Stuttgart. Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg und an der Cité Internationale des Arts Paris. Staatspreis Gestaltung, Kunst, Handwerk Baden-Württemberg (Bereich Kunst). Einzelausstellungen: u.a. Galerie Wilma Lock, St. Gallen; Kunsthalle Göppingen; Orangerie München; Schloss Wolfsburg; Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd; Städtische Galerie Ostfildern; Art Frankfurt; Kunstverein Schwäbisch Hall; Musée Jurassien des Arts, Moutier.

Fotos © Werner Esser, 2003

www.susannataras.com

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