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Konzert für Schlagzeug, Klavier, einen Film und einen Ort
Rudolf Theilmann, Schlagzeug & Helmut Bieler-Wendt, Klavier
Sonntag, 24. April 2005, 16.00 Uhr




In diesem Jahr werden Park und Gebäude der Sammlung Domnick grundlegend saniert. Vom 1. April bis voraussichtlich 31. Oktober 2005 bleibt daher unser Museum geschlossen. Nachdem alle Bilder ausgelagert und alles Mobiliar, alle Bücher verpackt worden sind, haben die Freunde des Hauses Domnick Gelegenheit, dieses einmal pur zu erleben: als kahles Gehäuse und Laboratorium der Kunst. Selbstverständlich aber ist für genügend Sitzplätze gesorgt.



In unserem ‚Kehraus‘-Konzert der besonderen Art werden die beiden Karlsruher Improvisationsmusiker Rudolf Theilmann und Helmut Bieler-Wendt die Architektur als Klangkörper mit der Architektur als visueller Folie wie als gebautem Raum aufs Dichteste miteinander verbinden und zudem den Bauherrn und Filmemacher Ottomar Domnick so präsent werden lassen wie selten. Domnicks experimenteller Spielfilm »N.N.« aus dem Jahr 1968 ist das stimulierende Reagenzium für die Live-Improvisationen auf Schlagzeug und Klavier. Wie für den Film, gilt auch für diese: »Ein Drehbuch existiert nicht, aber ein Konzept« (O. Domnick); Helmut Bieler-Wendt hat es eigens für diese – einmalige – Performance erarbeitet.

Der Film, eine Hommage Domnicks an seinen Architekten Paul Stohrer, wurde in wesentlichen Sequenzen hier vor Ort gedreht. So verschmilzt der ‚Lichtstrom‘ mit seiner Quelle, verschmelzen die projizierten Wände mit den realen. In Ottomar Domnicks dramatische Stimme aus dem Off und in die markant strukturierten Klangfacetten von Martin Gümbels Filmmusik spiegeln sich die freien Extemporationen des Karlsruher Duos hinein: ein komplexes Spiel auf mehreren Ebenen, das sich doch zu einem Erlebnis verdichtet.

Rudolf Theilmann, geboren 1942, war von 1965 bis 1977 Schlagzeuger des Modern Jazz Quintett Karlsruhe und der daraus hervorgegangen Gruppe Fourmenonly, einer der profiliertesten Freejazz-Formationen in Europa. Danach spielte er in verschiedenen Ensembles und ab 1984 zusammen mit Helmut Bieler-Wendt im Quartett DFTh+HB-W. Die intensive Duo-Arbeit mit Helmut Bieler-Wendt setzte 1994 ein. Schallplatten- und Radio-Produktionen sowie Auftritte bei internationalen Festivals für improvisierte Musik machten Rudolf Theilmann zu einer bekannten Größe in der Szene. Seit 1983 ist er Programmdirektor des Jazzclubs Karlsruhe. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Rudolf Theilmann, promovierter Kunsthistoriker, in seinem Hauptberuf bis vor wenigen Jahren als Konservator und Leiter des Kupferstichkabinetts an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe tätig war.

Helmut Bieler-Wendt, geboren 1956, studierte Violine, Klavier, Musiktheorie, Improvisation und Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik; Abschluss 1988 bei Wolfgang Rihm. Seit 1976 arbeitet Helmut Bieler-Wendt als Musiker mit starker Betonung der Bereiche Improvisation und Konzept-Komposi-tion in unterschiedlichen Gruppen sowie als Komponist mit besonderer Vorliebe für fächerübergreifende Konzepte und Musiktheater. Konzertreisen durch Deutschland, nach Ost- und Westeuropa, Südamerika, Kanada, Japan und Korea; zahlreichen Platteneinspielungen. Helmut Bieler-Wendts Kompositionen wurden aufgeführt in vielen Ländern Europas, in Japan, Südamerika; sie sind zum überwiegenden Teil vom Rundfunk produziert worden (SDR, SWR, HR, SR, WDR). Seit 1994 Zusammenarbeit mit Gregor Skowronek im Bereich Filmmusik und Multimedia; Leiter der Labels MusiCirkus und Skowronek audiovisuell.
Als Lehrer war Helmut Bieler-Wendt u.a. an der Musikhochschule Karlsruhe und der dortigen Hochschule für Gestaltung tätig, ferner bei der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind; gegenwärtig ist er Erster Vorsitzender des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt.

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