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Mit seinem Spielfilm-Debut Jonas hatte Ottomar Domnick einen Meilenstein für die deutsche Cinematographie gesetzt. 50 Jahre nach der Uraufführung und der Verleihung des Bambis gibt der ibidem-Verlag Stuttgart zu Domnicks 100. Geburtstag eine bemerkenswerte Dokumentation zur Entstehung des avantgardistischen Außenseiterfilms heraus. Der Autor, Guntram Vogt, stellt seine Publikation in einem Kurzvortrag vor und führt in den Film ein.

 

Guntram Vogt, 1937 in München geboren, war Professor am Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien der Philipps-Universität Marburg mit den Arbeitsschwerpunkten Literatur im 20. Jahrhundert (vor allem Robert Musil), Literaturdidaktik, deutsche Filmgeschichte. Seine medienwissenschaftlichen Publikationen galten Wim Wenders, Alexander Kluge, Derek Jarman und Louis Malle sowie insbesondere dem Thema der Großstadt im deutschen Film. Sein 820 Seiten umfassendes, 2001 erschienenes opus magnum, Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000, ist längst zu einem filmgeschichtlichen Standardwerk avanciert. 

Guntram Vogts jüngstes Buch Ottomar Domnicks „Jonas“- Entstehung eines Avantgardefilms. Materialien und Dokumente, ist nicht minder Referenzwerk. Die reich illustrierte, mit einer CD-Rom ausgestattete Dokumentation ist so spannend wie der Film selbst, der unter dem Etikett „Dokumentar-Spielfilm“ Kritik und Publikum gleichermaßen in seinen Bann gezogen hatte. Die im Deutschen Literaturarchiv Marbach a.N. verwahrten filmhistorischen Bestände des Domnickschen Nachlasses hat  Professor Vogt zu einer packenden Episodenerzählung aus dem Leben eines Außenseiters verdichtet, der seinen künstlerischen Weg Schritt für Schritt fand, über alle Bedenken hinweg, durch alle Widerstände hindurch, bis zum triumphalen Erfolg auf der Berlinale 1957. An diesem Erfolg hatten – neben der Musik von Winfried Zillig – die kongenialen Texte von Hans Magnus Enzensberger entscheidenden Anteil. Aus dem Off gesprochen, unterlegten, oder besser: überspannten sie die Filmhandlung mit einer mental-transzendentalen Impuls-Ebene, die Domnicks abstrakte Dramatik der Bilder noch steigerte. Ausführlich zitiert Guntram Vogt aus der aufschlussreichen Korrespondenz zwischen Film- und Textautor und reproduziert auf der dem Buch beigegebenen CD-Rom u.v.a. auch das Originalmanuskript von Hans Magnus Enzensberger.

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