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Dr. Elektroschock? Oder: „In erster Linie bin ich Arzt“
Domnicks ärztliches Wirken aus zwei Perspektiven
Samstag, 15. Dezember, 16.30 Uhr

Vortrag
Dr. Hartmut Bettin, Institut für Geschichte der Medizin der Universität Greifswald

Gespräch
Dr. Carl Winker, Stuttgart, leitender Arzt der einstigen Nervenklinik
Prof. Dr. med. O. Domnick

Dr. med. Ottomar Domnick, Foto: Reinhard Ueberall, um 1950

In einer gemeinsamen Karikatur titulierten die Künstlerfreunde Baumeister, Hartung und Roberta González ihren Sammler einmal liebevoll-spöttisch als „Docteur et Éditeur du choc électrique“. Sie spielten damit auf die Elektrokrampftherapie, eine damals hochmoderne, von manchen aber mit ‚Folterängsten‘ belegte Behandlungsmethode der Psychiatrie an. Sanftere Therapieformen wie Bindegewebsmassagen und Schlafkuren konnte man in der von 1950 an zur privaten Nervenklinik ausgebauten Praxis Dr. Domnick ebenfalls erhalten.

Domnicks Publizität in der Kunstszene täuscht leicht darüber hinweg, dass er sich zuallererst als Arzt und Wissenschaftler verstand. Seine medizinischen Verdienste wurden später von der Landesärzteschaft mit zwei Ehrenmedaillen und von der Universität Hohenheim mit dem Professorentitel belohnt.

Zum Ende unseres Domnick-Jahres 2007 nimmt sich Dr. Hartmut Bettin aus Domnicks Geburtsstadt Greifswald des „Hauptweges“ unseres Stifters als eines noch unbehandelten Themas der Forschung an. Seine medizinhistorischen Aspekte werden ergänzt durch die lebendigen Erinnerungen eines Mannes, der den Klinikalltag auf der Stuttgarter Gänsheide jahrzehntelang als Arzt mitgestaltet hat. Wir danken Herrn Dr. Carl Winker sehr herzlich, dass er sich zum anschließenden Zeitzeugengespräch bereiterklärt hat.

Hartmut Bettin

Geboren 1964, Studium der Geschichte an den Universitäten Greifswald und Berlin. Promotion 1994 über die "Die Gesundheitspflege in den norddeutschen Hansestädten von ihrer Gründung bis in die frühe Neuzeit" an der Universität Greifswald. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pharmazie der Universität Greifswald sowie der Geschichte der Pharmazie der Universität Marburg. Seit 2005 Lehrtätigkeit am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Greifswald. U.a. Herausgeber  der Briefe des bedeutenden Pharmazeuten Johann Bartholomäus Trommsdorffs (1770–1837).

Carl Winker

Geboren 1924 in Spaichingen. Studium der Medizin an der Universität Heidelberg. Schüler von Alexander Mitscherlich und Victor von Weizsäcker. Promotion 1951, anschließend fachärztliche Ausbildung für Psychiatrie am Bürgerhospital Stuttgart und Privatassistent von Prof. Dr. Haug. 1960 Niederlassung als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Stuttgart, daneben,  mit zunehmendem Auftragsvolumen, bis Anfang der 1980er Jahre als behandelnder Arzt an der Domnickschen Klinik tätig.

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